Ich habe bewusst zwei Nächte über die Ereignisse vom Sonntag geschlafen und einige Gespräche geführt. Trotzdem bleibt bei mir großer Ärger. Einige Punkte dazu:
Dass Journalisten („non right holder“) bei einer Meisterfeier aus nachvollziehbaren Gründen keinen Zugang zum Rasen bekommen, kann man argumentieren und ich kann das grundsätzlich nachvollziehen. Wenn allerdings einzelne Personen trotzdem durchgelassen werden und andere nicht, stellt sich zumindest die Frage nach Gleichbehandlung.
Noch problematischer wird es, wenn auf normale journalistische Anfragen mit Wegdrehen, Lachen oder Ignorieren reagiert wird. Das ist sinnbildlich für den aktuellen Umgang mit vielen Medienvertretern im österreichischen Fußball.
Mixed Zones haben seit Jahren massiv an Wert verloren. Als „non right holder“ bekommt man oft nur noch minimale Inhalte, während Vereins-TV und ausgewählte Kontakte bevorzugt behandelt werden. Diese Entwicklung hat für mich einen klaren Punkt erreicht. Aus meiner Sicht ist das keine professionelle Medienarbeit, sondern eine Entwicklung, die dem Produkt langfristig schadet bzw. bereits geschadet hat.
Die österreichische Bundesliga hat sportlich und medial ausreichend Herausforderungen. Gerade deshalb wäre ein professioneller und respektvoller Umgang mit allen Medien wichtiger denn je. Ob dieser aktuell überall konsequent gelebt wird, darf zumindest hinterfragt werden.
Und auch an jene Kollegen, die gestern am Rasen waren: Regeln sollten für alle gelten. In Zukunft werde ich solche Dinge auch öffentlich ansprechen. Denn im Journalismus sollte niemand glauben, wichtiger oder unangreifbar zu sein. Ob das immer so ist, daran habe ich Zweifel.
Ich sehe dabei auch meinen eigenen Anteil kritisch: Nicht jeder meiner Beiträge ist inhaltlich perfekt oder in jeder Situation optimal umgesetzt. Genau deshalb ist mir der Anspruch an faire Rahmenbedingungen im journalistischen Arbeiten wichtig.
Zurück zum Hauptthema: Wer erwartet, dass die erwähnten Dinge dauerhaft kommentarlos hingenommen werden, irrt sich. Ich habe eine kollegiale Grundhaltung, aber auch klare Grenzen.
Konstruktive Kritik gehört zur Medienarbeit wie das Riesenrad zu Wien. Kritik ist keine Einbahnstraße. Wer sich angesprochen fühlt, wird wissen, warum.
Ob ich mir diese Konstellation in der kommenden Saison weiter antue, ist für mich aktuell offen bzw. teilweise unwahrscheinlich. Ich investiere weiterhin – zum Teil meine Freizeit – viel Zeit und Arbeit in journalistische Berichterstattung. Gerade deshalb spreche ich solche Entwicklungen offen an.
Wenn grundlegende journalistische Standards nicht für alle gleichermaßen gelten, ist das ein Problem – nicht für einzelne Personen, sondern für das Gesamtbild.
Abschließend noch eine Bitte: Ich habe die Situation emotional und fachlich reflektiert. Trotzdem sollte daraus kein Hate oder „Ansteigen“ entstehen. Meine Meinungsverschiedenheiten kläre ich grundsätzlich direkt mit den Beteiligten.
Mir geht es darum, Entwicklungen im Medienumfeld offen anzusprechen – auch über Social Media. Solche Entwicklungen öffentlich einzuordnen, ist Teil journalistischer Arbeit.